Erklärung zur Fotoausstellung “Alltag in Burma”
Wir haben vor ein paar Tagen auf die Fotoausstellung “Alltag in Burma” in Essen hingewiesen. Ein paar unserer Mitglieder haben gestern die Eröffnungsveranstaltung besucht und wir möchten folgende Erklärung dazu abgeben:
Die Burma Aktion distanziert sich inhaltlich von den von der Fotografin Claudia Wiens gemachten Aussagen und Analysen. Ihre Fotoausstellung zeigt einen Alltag Burmas, der sich vor allem auf die für Touristen frei zugänglichen Gebiete des Landes beschränkt. Frau Wiens klammert bewusst die Menschenrechtsverletzungen und den Alltag der vielen Millionen Flüchtlinge vollständig aus. Für einen Großteil der Bevölkerung Burmas ist der Alltag jedoch täglich geprägt von Vertreibung, Repression, Massenvergewaltigungen, Mord, Zwangsarbeit, Kinderarbeit, Verhaftungen und Folter. Diese Realität wird in der Ausstellung und in ihrem Buch nicht erwähnt.
Entgegen der von Frau Wiens auf ihrer Internetseite gemachten Aussagen, halten wir Sanktionen gegen Burma weiterhin für sinnvoll und richtig. Sanktionen treiben die burmesische Bevölkerung nicht in die Armut, wie es Frau Wiens behauptet, sondern die korrupte Politik der burmesischen Junta richtet das Land bereits seit vielen Jahrzehnten wirtschaftlich zu Grunde. Der nach dem blutigen Putsch von General Ne Win eingeführte sogenannte “Burmesische Weg zum Sozialismus” enteignete das Volk und trieb das Land in den Ruin.
Wir von der Burma Aktion halten es für wichtig und notwendig, alle Seiten von Burmas Alltag und Realität aufzuzeigen. Burma ist eines der unbekanntesten Länder dieser Erde und beherbergt durch die vielen verschiedenen Volksstämme eine vielseitige Kultur und mannigfaltige Traditionen. Es gibt noch viele interessante Geschichten aus Burma zu berichten, die noch im Verborgenen schlummern. Aber viele dieser Kulturen stehen durch den seit 60 Jahren andauernden Bürgerkrieg und durch die Gleichschaltung zu einer rein burmesischen Kultur fast vor einem kulturellen Aussterben. Es ist in vielen Landesteilen Burmas immer noch verboten, die ethnischen Sprachen der Shan, Karen oder Karenni zu lehren und lernen. Zuwiderhandlungen werden immer noch mit Verhaftungen oder auch Exekutionen bestraft. Viele dieser Völker dürfen ihre eigene Kultur nur bedingt ausüben und so werden traditionelle Tänze oder die Sprache nur heimlich und unter größtem Risiko gelehrt.
Eine Auseinandersetzung über diesen Aspekt in der Kultur Burmas macht Claudia Wiens in ihrer Arbeit nicht. Auch zeigt sie in ihrer Arbeit nicht den Alltag der Menschen, die hinter dem Vorhang leben, den Frau Wiens als Journalistin in Burma bereisen konnte. Wir halten ihr Buch daher für einseitig, da die Autorin sich das Ziel gesteckt hatte, den wirklichen Alltag in Burma zu zeigen.
Zwei Bücher mit burmesischen Märchen können wir den Lesern der Burma Aktion Webseite empfehlen: “Burmese Folk Tales” von Maung Htin Aung. Leider nur in englischer Sprache bei der Oxford University Press erschienen. In dem Buch “Shans at home” von Leslie Milne (erschienen bei White Lotus) sind zum Ende des Werkes ein paar Shan Märchen und Sagen zu lesen, die sie Anfang des 19. Jahrunderts in der Gegend des nördlichen Shan Staates bei den Dorfbewohnern sammelte. Ihr Buch bietet weiterhin einen wunderbaren Einblick in das alltägliche Leben der Shan zu jener Zeit. Leider auch nur in englischer Sprache.
Burma Aktion
- Essen, 25. November 2009